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Ziehharmonika-Betreuung: Ein dynamisches eLearning-Betreuungsmodell

  1. Sat, 24th Mar 2012
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<p>Ein dynamisches Betreuungsmodell, um sich unterschiedlichen Kompetenzen anzupassen.</p>

Ein dynamisches Betreuungsmodell, um sich unterschiedlichen Kompetenzen anzupassen.

Betreuung in der Präsenzlehre ist eigentlich nie wirklich ein Thema an Universitäten. Sie muss meist neben der Forschung ‚abfallen‘. In der Fernlehre kommt der Betreuung dagegen eine besondere Bedeutung zu. Sie ist ein Punkt, den man nicht vernachlässigen kann. Auch wenn eLearning oft gerne (aber fälschlicherweise) als Möglichkeit gesehen wird um Kosten in der Ausbildung zu senken. Aber gerade in der Fernlehre fehlt der regelmäßige, unmittelbare, persönliche Kontakt. Und das hat ohne entsprechende Gegenmaßnahmen deutliche Auswirkungen auf die Motivation der Lerner. Das folgende Betreuungsmodell, dass wir auf der GML² in Berlin vorgestellt haben, wirkt diesem Problem entgegen.

Das Split-Tutor-Konzept

Als Lösungsansatz für die Betreuung im E-Learning gibt es von der Uni Duisburg das so genannte Split-Tutor-Konzept (split role tutoring)1. Es teilt die Betreuung in einen Fachtutor und einen Lerngruppentutor auf. Der Fachtutor ist für die fachliche Betreuung zuständig, während der Lerngruppentutor die persönliche Betreuung der Lernenden übernimmt. Das Konzept liefert jedoch nur ein stark vereinfachtes Bild des Betreuungsverhältnisses.

Split-Tutor-Modell der Uni Duisburg

Split-Tutor-Modell der Uni Duisburg.

Der Lerngruppentutor ist sicher ein richtiger Ansatz zur Verbesserung der Betreuung in Fernlernszenarien. In einem solchen Betreuungsverhältnis müssen jedoch nicht nur organisatorische Aspekte und die persönlichen Beziehung bedacht werden. Die Situation ist wesentlich komplexer und bedarf zusätzlicher Überlegungen, um sie erfolgreich zu machen.

In dem existierenden Modell ist implizit eine Betreuungsrichtung festgelegt und damit auch der Betreuungsschwerpunkt. Wie so oft im Bereich des E-Learnings sind daher alle Maßnahmen auf die Lernenden ausgerichtet. E-Learning-Plattformen und ihre Features sind zuallererst immer auf die Lernenden ausgerichtet. Und die verteilte Betreuung ist ebenfalls darauf ausgerichtet einen Nachteil für den Lerner auszugleichen. Die Betreuung wird dabei weiterhin als eine Einheit und damit als eine Seite des Betreuungsverhältnisses betrachtet.

Gerade bei weiterbildenden Studiengängen sind jedoch die Lerngruppentutoren von den Fachtutoren genau so weit entfernt wie von ihren Studierenden. Die Umsetzung als Fernstudium ermöglicht schließlich nicht nur auf Seite der Studierenden eine örtliche und zeitliche Unabhängigkeit. Fachtutoren müssen daher oft genau so wie die Studierenden auch an den Lernprozess und in das Betreuungsverhältnis integriert werden. Sie sind ebenfalls eine relevante Zielgruppe für die Umsetzung eines angestrebten Lernprozesses, die bei der Umsetzung berücksichtigt werden muss.

Erweitertes Split-Tutor-Modell

Erweitertes Split-Tutor-Modell

Bei der Einbindung spielt jedoch nicht nur der Ausgleich der persönlichen Beziehung zu den Lernenden eine Rolle. In vielen Fällen ist die Medienkompetenz der Fachtutoren eine begrenzende Größe. Im Bereich der Mediendidaktik, aus der das Split-Tutor-Konzept stammt, mag das kein Thema sein. Aber in vielen anderen Fachbereichen ist Medienkompetenz keine fachlich relevante Größe und daher ganz unterschiedlich bei den Fachspezialisten ausgeprägt. Und gerade bei einer hohen fachlichen Spezialisierung existiert jedoch oft nicht die Wahlmöglichkeit zwischen einem Fachtutor mit Medienkompetenz und einem ohne. Man ist gezwungen den Fachtutor einzubinden. Unabhängig von seinen überfachlichen Fähigkeiten.

Wir wollten beispielsweise einen fachlich hoch qualifizierten Fachtutor einbinden, der jedoch in der Handhabung von Rechnern und Internet allenfalls Grundkenntnisse hatte. Anfangs stellte dort z.B. schon das Öffnen einer PDF-Datei ein Problem dar.

Die Ziehharmonika-Betreuung2

Lerngruppentutor als Vermittler zwischen Lernenden und Fachtutoren

Der Lerngruppentutor muss flexibel zwischen Lernenden und Fachtutoren vermitteln.

Der Lerngruppentutor übernimmt also nicht nur organisatorische Aspekte und die persönliche Betreuung. Er stellt das Bindeglied zwischen den Lernenden und den Fachtutoren dar. In dieser Funktion muss er auf die individuellen Gegebenheiten und Fähigkeiten der Beteiligten eingehen. 
Dafür benötigt er soziale Kompetenzen, Kommunikationsfähigkeiten, er muss die technische Seite beherrschen, einen grundlegenden Überblick über das Fachgebiet haben, die jeweiligen Fähigkeiten der Beteiligten einschätzen und zwischen den Beteiligten vermitteln können. Je nach Fähigkeiten und Möglichkeiten der Lernenden und der Tutoren muss er individuell darauf eingehen. Wie eine Ziehharmonika muss er mehr oder weniger auf die beiden Seiten eingehen und dabei Lücken ausgleichen oder unzureichende Kompetenzen abpuffern.

Der Lerngruppentutor ist damit nicht nur eine weitere Betreuungsfunktion neben dem Fachtutor. Er spielt eine zentrale Rolle im gesamten Betreuungsverhältnis. Er ist nicht nur in einem einzelnen Fach oder Modul präsent, sondern in zahlreiche Betreuungsverhältnisse involviert und gibt einem Studiengang damit ein Gesicht. Er ist die zentrale Anlaufstelle und auch Kontaktpunkt für die Lernenden als auch die Tutoren. Insgesamt also eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Entwicklung eines eLearning-Studiengangs und hinsichtlich der Kundenbindung und Motivation.

  1. Kerres, Michael; Nübel, Ilke; Grabe, Wanda (2004) Gestaltung der Online-Betreuung für E-Learning. E-Learning in Hochschulen und Bildungszentren: pp. 335-349.

  2. Gorges, K. & Bröker, T., 2012. eLearning Bauphysik — Nachhaltigkeit durch Flexibilität. In GML² - Grundfragen multimedialen Lehrens und Lernens. Berlin.

 

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