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Nachlese zur GML² 2012, Berlin

  1. Fri, 16th Mar 2012
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Die GML 2012 ist vorbei. Das heißt, eigentlich ist sie noch nicht vorbei aber ich musste mich leider verfrüht auf den Rückweg machen. Nichtsdestotrotz gab es wieder einige interessante Vorträge, Ideen und Anregungen im Verlauf der eineinhalb Tage.

Bei mir hängen geblieben sind vor allem die Themen:

  • Lernprozessmonitoring,
  • Leistungsdifferenzierung,
  • Videoaufzeichnung von Vorlesungen,
  • ACTA und
  • Benchmarking & Leuchtturmprojekte.

Lernprozessmonitoring

Gestern habe ich an einem Thementisch zu Lernprozessmonitoring teilgenommen. Es geht also darum das mitzuschneiden was die Lerner auf Lernplattformen eigentlich tun. Das Projekt, das sich damit beschäftigt scheint noch sehr jung zu sein, denn in erster Linie ging es dann darum in drei Gruppen (Anonymisierung & Datenschutz, Visualisierung und Visionen) verschiedene Aspekte dieses Prozesses zu betrachten und Ideen und Vorschläge zu sammeln. Ich bin in der Gruppe Visionen gelandet und dort wurde die Idee geäußert, dass man sich zur Laufzeit bereits Ergebnisse aus den Daten herausziehen kann, die für die Optimierung des folgenden Lernprozesses von Bedeutung sein könnten. Das ist aus meiner Sicht ein nicht von der Hand zu weisendes Ziel. Google, Facebook und Konsorten machen es ja letztlich auch nicht anders, um Marketing und Werbung auf den jeweiligen Nutzer zuzuschneiden. Ich sehe hier nur zwei Aspekte, die diese beiden Welten nicht so wirklich vergleichbar macht:

  1. Auf den Lernplattformen ist gar nicht die Masse an Nutzern unterwegs, die Google oder Facebook zur Verfügung haben.
  2. Was ich aber für noch wesentlich wichtiger halte, ist einfach der Punkt, dass das Lernen nicht allein auf den Lernplattformen stattfindet. Ein Großteil der Aktivitäten findet außerhalb der Plattform statt. Wir haben z.B. Online-Lernmaterialien, die von den Studierenden ausgezeichnet werden können (gelesen, verstanden, etc.). Und mit der Seitenweisen Bewertung der Seiten hat man damit auch prinzipiell die Möglichkeit einen sehr granularen Überblick über Fortschritte, Schwierigkeiten und Nutzung der Seiten zu bekommen. Nur leider nutzen unsere Studenten diese Online-Materialien nicht. Sie bevorzugen das Gesamtdokument als PDF und arbeiten dann damit. Nur für interaktive Medien nutzen sie tatsächlich die Online-Materialien.

Wenn tatsächlich mal alle Leute nur noch mit einem Tablet-Rechner arbeiten, mag man irgendwann einmal in der Lage sein auch nützliche Daten zu erhalten. Aber abgesehen von den Mediendidaktikern sehe ich da in anderen Bereichen noch keine absehbare Umsetzung dieses Wunsches.

Zielführender halte ich — aus meiner Erfahrung heraus — qualitatives Feedback der Nutzer: Kommentare und Hinweise zu Lernmaterialien, Fragen aufgrund von Verständnisschwierigkeiten, etc. Warum nicht diesen Weg weiter ausbauen? Warum nicht die Idee der Lerntagebücher weiter ausbauen und ein Client-seitiges Aufzeichnen des Nutzerverhaltens und Anreicherung dieser Daten durch vereinfachte Eingaben für den Nutzer vorantreiben? Damit ist es möglich auch Dinge außerhalb des Computers zu berücksichtigen. Gleichzeitig gibt man dem Nutzer die Möglichkeit die Nutzung der Daten selbst zu bestimmen. Damit geht man also auch gleichzeitig den Problemen des Datenschutzes aus dem Weg. Viele Online-Hilfen machen hier schon heute vor, wie man durch einen kurzen Klick auf ein ‚war hilfreich’ — oder auch nicht — sowohl qualitatives Feedback auf ganz einfachem Weg bekommen kann, dass über einen längeren Zeitraum aber auch quantitative Rückschlüsse erlaubt.

Leistungsdifferenzierung

Ganz interessant fand ich auch den Vortrag zum Orthografietrainer.net von Hans Müller. Darin ging es um die Fragestellung — immer am Beispiel der Orthografie — wie man einen Ansatz entwickelt, der wesentlich genauere Aussagen dazu erlaubt welche Probleme ein individueller Lerner hat. Heutige Rechtschreibtests betrachten die Rechtschreibfähigkeit eigentlich einzig und allein anhand der Fehleranzahl in einem Text. Und das obwohl hinter den Fehlern vollkommen unterschiedliche Hintergründe stecken können. Eine stärkere Ausdifferenzierung würde hier erlauben ganz gezielt die individuellen Rechtschreibprobleme eines Schülers mit abgestimmten Aufgaben zu versorgen.

Dieser Wunsch ist nicht ganz neu. Normalerweise sind wirklich fein unterteilte Niveaus eines Lerninhalts zwar wünschenswert aber vom Aufwand her nicht umsetzbar. Beim Thema Orthografie kann ich mir aber recht gut vorstellen, dass es funktionieren könnte. Ich meine mich zu erinnern, dass irgendeiner der eLearning-Standards für Lernformate es auch erlaubt Inhalte entsprechend ihres Niveaus zu klassifizieren. Aber welcher das genau war SCORM, LOM, eLML, … oder ein ganz anderer — ich weiß es nicht mehr aus dem Kopf.

Ansonsten fallen mir noch Computerspiele als ein Paradebeispiel ein wie man die Spieler immer am Limit ihrer Fähigkeiten hält. Zum Thema Rechtschreibung könnte ich mir da durchaus Dinge wie z.B. Text-Adventures vorstellen, um von stupiden Rechtschreibaufgaben weg zu kommen. Aber ich habe noch keinen Blick in die Internetseite geworfen. Vielleicht sieht das ja heute auch schon anders aus.

Lustig fand ich den Rechtschreibfehler auf der letzten Folie. Vielleicht könnte man daraus auch ein Präsentationskonzept machen. Für einen Vortrag zur Orthografie könnte man sich das wahrscheinlich ganz gut zunutze machen.

Videoaufzeichnung

Im Vortrag von Nadine Dembski hat sie die gezielte Umsetzung von Vorlesungen in Form von Videoaufzeichnungen vorgestellt. Für einige fachübergreifende Lehrangebote wurde es so — in Zusammenhang mit einer Lernplattform — ermöglicht ganz flexibel Lerninhalte, Aufgaben und auch die entsprechenden Abschlussklausuren dazu anzubieten.

So etwas gezielt umzusetzen finde ich ja klasse. Aber ich frage mich, inwieweit das Aufzeichnen der Vorlesungen und die Nachbearbeitung im Studio wirklich praktikabel (d.h. in der Breite umsetzbar) ist. Auf eine entsprechende Frage zu den Kosten aus dem Publikum kam nur eine recht ausweichende Antwort, dass es aufwendig sei.

Während des Vortrags war leider keine Zeit, um eines der Videos zu zeigen. Aber entsprechend der Erklärungen und der Screenshots erschien mir das Format sehr statisch und zäh. Der Redner steht an einem Pult am Bildrand und neben ihm werden seine Folien eingeblendet. Da stelle ich mir das 30-minütige Format recht langatmig vor.

Auf der diesjährigen Learning Without Frontiers Konferenz hat Jason Wishnow, der Filmdirektor von TED, vorgestellt, wie man solche Videos lebendig gestaltet. Dass man drei Kameras benötigt. Zwei statische, die einmal Bühne zusammen mit Publikum zeigen und zum anderen den Redner von hinten mit Blick auf das Publikum. Und eine Kamera für Nahaufnahmen, die entsprechend nachgeführt werden muss. Der Vortrag über diese Technik war auch dementsprechend aufbereitet und hat für mich sehr schön verdeutlicht, dass man nicht (so stark) dieses Bedürfnis hat vorzuspulen.

Aber auch das ist aufwendig. Wer hat schon drei Kameras zur Verfügung und das Personal, um sie zu bedienen und hinterher alles zu schneiden. Dem gegenüber stehen Lösungen wie die von Jörn Loviscach: Es gibt keine (zumindest nicht zwingend) separaten Aufzeichnungen. Die Aufzeichnung erfolgt im Rahmen einer Vorlesung/eines Seminars und wird hinterher in sinnvolle Einzelteile gegliedert. Und dadurch, dass er handschriftlich an einem Tablet-Computer arbeitet, bekommt das ganze eine Dynamik, der man gerne zuschaut (obwohl ein nicht unwesentlicher Faktor wahrscheinlich auch seine Person und sein Humor sind). Seine Aufzeichnungssoftware, die bislang leider nur in einem Alphastadium vorliegt verbessert diese Aufzeichnungen übrigens noch weiter indem der virtuelle Schreibpunkt, der die Position des Mauszeigers darstellt, durch eine Schreibhand ergänzt wird oder indem der Vortragende in den Hintergrund gesetzt wird und scheinbar in Spiegelschrift auf eine Glasfläche schreibt.

ACTA

Wirklich gut und auch kurzweilig war der heutige Hauptvortrag (engl.: keynote) von Matthias Spielkamp zur ACTA und den Entwicklungsprozessen, die dort politisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgelaufen sind und immer noch ablaufen. Er hat wirklich gut einen Überblick über die Entwicklung seit 2006 geschaffen und auch die Probleme und Diskussionspunkte herausgestellt. Ein durchaus interessantes Thema, zu dem ich mir schon immer mal eine ausführlichere Erklärung gewünscht habe. Aber zum Thema eLearning hat mir da letztlich der direkte Bezug gefehlt.

Benchmarking und Leuchtturmprojekte

Auch dem folgenden Vortrag hat man gerne zugehört. Felix Winkelnkemper hat sehr humorvoll das heutige Verständnis von Leuchtturmprojekten und erfolgreichen Praxisbeispielen (engl. Best Practice) in Frage gestellt. Seine Erläuterungen waren nicht unbedingt neu, haben aber einige Dinge wieder ins Bewusstsein geholt: Dass Leuchtturmprojekte immer einen finanziellen Rahmen haben, Projekte die auf diesen Leuchttürmen aufbauen aber ohne diese finanzielle Stütze auskommen müssen. Außerdem fehlt meist eine Kommunikation der Erfahrungen und Probleme bei solchen Leuchtturmprojekten, die bei der Adaption dann zusätzlichen Aufwand verursachen (Er hat dafür den Begriff ‚Klonnebenkosten‘ verwendet).

Auch der Begriff ‚Best Practice‘ wird im Prinzip ad absurdum geführt, da sich entsprechende Projekte meist als solche Beispiele bewerben. Und insofern war sein Hinweis vollkommen richtig, dass man in einem solchen Prozess natürlich nur seine Vorzüge herausstellt und sich daher nicht an den ‚übrigen‘ Erfahrungen orientieren kann.

Ich weiß nicht, ob ich dann kurz nicht aufgepasst habe. Aber irgendwie habe ich dann den Übergang verpasst zu dem Aspekt der gemeinsamen Annotation und Bearbeitung von Online-Texten. Eine sehr wünschenswerte Sache, wenn alle mitlesen können was jemand zu bestimmten Stellen im Text sagt. — Mendeley setzt so etwas ja auch schon in Ansätzen um. — Das würde die Überarbeitung ungemein erleichtern. Wenn die Lerner an entsprechenden Stellen Verbesserungsvorschläge oder Hinweise und Verweise für andere Lerner geben könnten. Das würde die Weiterentwicklung und Überarbeitung solcher Dokumente aus meiner Sicht enorm beschleunigen.

Wir bekommen immer mal wieder Hinweise auf Fehler in Texten aber ich denke es ist vielen oft zu umständlich jede Kleinigkeit per eMail zu beschreiben. So gehen sicherlich eine Menge guter Anregungen verloren. Aber auch hier ist es erforderlich, dass die Anmerkungen online gemacht werden. Ausgedruckte PDF-Dokumente passen da wieder nicht so gut ins Konzept.


Insgesamt war die Tagung — auch wenn sie dieses Jahr für mich leider verkürzt war — wieder die Reise wert. Obwohl ich letztes Jahr die Aufteilung in Vorträge und Workshops besser fand. Dieses Jahr man stand vor der Entscheidung entweder einen Workshop zu besuchen oder den Vortragsstrang. Als Referierender im Vortragsstrang war man dann daran gebunden. Und auch wenn man eigentlich nur einen Vortrag hören wollte, kann man nicht danach in irgendeinen laufenden Workshop platzen.
Die Organisation war insgesamt wirklich gut. Da hat Herr Apostolopoulus und das CeDis wahrscheinlich mittlerweile auch einige Erfahrungen sammeln können. Schade, dass ich zum Abschluss und dem Anstoßen auf 10 Jahre GML² dann nicht mehr dabei sein konnte.

 

 

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