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Seminare mit Tiefgang

  1. Wed, 14th Dec 2011
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  3. Prezi
  4. Presentation
  5. e-Learning

Ich konnte mich nie wirklich mit dem ‘Dinosaurier des Präsentierens’ anfreunden. Das Verhalten zu unvorhersehbar. Zu unflexibel. Zu viel unnötiger Schnickschnack. In der Regel habe ich meine Präsentationen mit Freehand1 angelegt und dann als PDF gespeichert. Das war nicht die perfekte Lösung, aber ich konnte mich darauf verlassen was später auf dem Bildschirm zu sehen war. Unabhängig vom verwendeten Rechner.

Woher dieser grundsätzliche Widerwille kam Powerpoint zu verwenden ist mir erst bewusst geworden als ich auf Prezi gestoßen bin: In Powerpoint ist man gezwungen seine Idee — sein Gesamtbild — in eine Folge von Folien zu pressen. An sich ist es ja nicht schlecht einen Ablauf zu strukturieren, aber Powerpoint unterstützt den Prozess der Entwicklung einer Präsentation in keinster Weise.
Prezi liefert wieder die große weiße Fläche, die ich bei Freehand zu schätzen weiß. Darauf beginnt man mit einer Skizze seiner Idee. Ohne bereits in Folien denken zu müssen. Man sammelt Begriffe und Inhalte, ordnet sie an, gruppiert sie, legt Schwerpunkte fest, sortiert aus und entwickelt in diesem Prozess den roten Faden. Erst ganz zum Schluss legt man fest, welche Ausschnitte dafür wichtig sind: Welcher Überblick, welcher Kontext, welche Details und wie diese Informationen zueinander angeordnet werden. Inhalte bekommen dadurch nicht nur eine zeitliche, sondern auch eine örtliche Position. Und im Gegensatz zu rein Folien-basierten Ansätzen ist man jederzeit frei — auch mitten in der Präsentation — zwischen Überblick und Details zu springen.

In der Lehre, zum Beispiel im Seminareinsatz, birgt diese Möglichkeit zwischen den verschiedenen Kontextebenen zu springen eine ganze Reihe von Vorteilen. Der wichtigste ist dabei aus meiner Sicht, dass man Inhalte unterschiedlicher Tiefe in einer Präsentation anlegen kann. Je nach Bedarf kann man so auf unterschiedliche Situationen reagieren. Man kann anschaulich auf Hintergrundfragen eingehen. Oder man tritt einen Schritt zurück, um ein Detail noch einmal in seinem Kontext deutlich zu machen. Und bei Rückfragen („Ich glaube auf Folie 5. Jedenfalls irgendwo am Anfang.“) muss man nicht erst nach der entsprechenden Folie suchen,. Der Fragesteller kann im Überblick der gesamten Präsentation direkt auf die entsprechende Folie hinweisen.

All das funktioniert ohne dass die Präsentation überladen wirkt. Informationen, die bei einer bestimmten Ansicht unwichtig sind, verschwinden aufgrund ihrer geringeren Größe. Vergleichen kann man das vielleicht mit den verschiedenen Vergrößerungsstufen eines Mikroskops: Mit einer starken Vergrößerung kann man vielleicht die verschiedenen Bestandteile einer Zelle betrachten. Eine geringere Vergrößerung zeigt dagegen nur noch die Zellen in ihrem Verbund; Obwohl die vorher gesehenen Detailinformationen natürlich weiterhin vorhanden (aber eben nicht mehr sichtbar) sind.

Dieses Prinzip der Kontextebenen erlaubt es auch z.B. Formeln und Grafiken direkt vor Ort mit Erläuterungen auszustatten. So wie man sich das aus didaktischer Sicht wünscht. Man braucht keine Legenden mehr, sondern kann die Hinweise innerhalb bzw. am Objekt unterbringen. Das funktioniert zwar nicht bis ins Unendliche, aber meine tiefste Detailebene in Seminaren sorgt doch jedes Mal wieder für Amüsement: Bei Formeln sind die Formelzeichen mit einer kurzen Erläuterung versehen. Aber wenn man bei griechischen Formelzeichen ganz nah heran zoomt, gibt es noch eine Hilfe wie sich dieses griechische Zeichen nennt.

Aus meiner Sicht bietet diese Art zu präsentieren eine wesentlich höhere Flexibilität auf den individuellen Verlauf einer Lehrveranstaltung zu reagieren. Die Zugriffszahlen auf die Präsentationen deuten darauf hin, dass sie von den Studierenden auch rege genutzt werden. Schriftliche Kommentare in der letzten Evaluation einer Lehrveranstaltung bewerten die Art der Präsentation auf der einen Seite vielfach positiv. Auf der anderen Seite wurden die damals noch nicht verfügbaren PDFs zum Ausdrucken bemängelt.

Einen Nachteil hat Prezi: Man kann seine Präsentationen (zumindest mit der kostenlosen Educational Version) nicht mehr auf den letzten Drücker vorbereiten; Zum Beispiel während der Zugfahrt zum Einsatzort. Die Bearbeitung einer Präsentation funktioniert nur bei Internetverbindung. Auf der anderen Seite kann das aber auch vorteilhaft für die eigene Disziplin sein.
Außerdem ist Prezi für Online-Präsentationen (z.B. über BigBlueButton) nicht geeignet.

Tips für den Einsatz von Prezi:

  • Der Umstieg auf Prezi erfordert anfangs ein Umdenken, das vielen offenbar schwer fällt. Es ist schwierig sich von der Folien-basierten Herangehensweise zu lösen. Hier hilft es wenn man versucht die Präsentationen eher als Poster zu betrachten: Von weitem verschafft man sich einen Überblick und tritt dann näher heran, um die Details zu betrachten.
  • Was bei Powerpoint die vielen Effekte sind, sind bei Prezi die Zoom- und Drehfunktionen; Hier gilt bei beiden: Weniger ist mehr.
  • Stellt man die Präsentation im Anschluss zur Verfügung, sollte man zu Beginn einmal praktisch vorführen wie der Umgang damit funktioniert. Wie man herein- und heraus zoomt. Wie man zu Objekten springt und wieder zurück in den Überblick.
  • PDFs von Prezis sollte man kurz auf überflüssige Seiten überprüfen.
  • Es ist ratsam Präsentationen immer noch einmal als Offline-Präsentation herunterzulassen. Manchmal funktioniert der allgegenwärtige Zugang zum Internet doch nicht.
  • Nutzt man eine Prezi online ist es sehr einfach Inhalte während der Präsentation zu ergänzen. Ich nutze das gerne, um in Seminaren Diskussions- oder andere Ergebnisse zusammen zu fassen. Durch die Möglichkeit Präsentationen zur gleichzeitigen, gemeinsamen Bearbeitung freizugeben, kann man Prezi bei kleinem Auditorium auch interaktiv in einer Gruppe einsetzen.

Beispiel-Prezis:

Beitrag zum 21. WissensWert Blog-Carnival: Classroom 2.0: Welche Erfahrungen mit dem e-Medien-Einsatz im Seminarraum haben Sie gemacht?

  1. Freehand ist ein Vektorzeichenprogramm ähnlich wie Illustrator oder CorelDraw.

 

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